Fallstudie

Kirchturm Schlüchtern-Elm.

Vollständige Fassadenuntersuchung an einem 42 Meter hohen Sandsteinturm aus dem Jahr 1898 — mit Drohnenbefliegung, Photogrammetrie, akkreditierter Laborkoordination und Instandsetzungskonzept als Grundlage für Denkmalantrag und Ausschreibung.

Auftraggeber
Ev. Kirchengemeinde Schlüchtern-Elm
Baubegleitung
Ingenieurbüro Frischmuth GmbH
Bauwerk
Schönermark, 1897/98
Material
Buntsandstein, Kalkmörtel
Höhe
ca. 42 m, oktogonaler Spitzhelm
Projektzeitraum
02 / 2026 — 05 / 2026
Kirchturm Schlüchtern-Elm, Drohnenaufnahme Westansicht
Drohnenaufnahme · Westansicht
42m
Turmhöhe
8
Kernbohrungen Ø 10 cm
3
Akkreditierte Laborberichte
6
Mörtelproben (FEAD)
5
Musterflächen Westfassade

Was war die Aufgabe?

Sichtbare Schäden am Kirchturm der evangelischen Kirche Schlüchtern-Elm — Mörtelausfall, lockere Steine, Verfärbungen und Schäden am Bandgesims — gaben Anlass zu Sorge um die langfristige Standsicherheit. Der Kirchenvorstand benötigte eine belastbare fachliche Einschätzung als Grundlage für Genehmigungs- und Förderanträge sowie für die Ausschreibung der späteren Sanierungsarbeiten.

Beauftragt wurde eine vollständige Fassadenuntersuchung mit Schadenskartierung, Materialanalytik in akkreditierten Laboren und einem Instandsetzungskonzept mit konkreten Materialempfehlungen.

Drohnenbefliegung & 3D-Modell.

Bevor die erste Probe genommen wurde, entstand durch Drohnenbefliegung und Photogrammetrie ein vollständiges 3D-Modell des Turms. Auf Basis der Orthofotos der Fassaden wurden alle Schadensbereiche lagegetreu erfasst — eine archivfähige Grundlage für die spätere Schadens- und Maßnahmenkartierung.

Drei Kartierungspläne — K-01 Ostansicht, K-02 Südansicht, K-03 Westansicht — dokumentieren die Lage aller Probenahmestellen, Steinausbauten, Mörtelproben und Musterflächen.

Orthofoto West
Orthofoto West
Orthofoto Süd
Orthofoto Süd
Orthofoto Nord
Orthofoto Nord

Drei Laborberichte. Akkreditiert.

Aus acht Kernbohrungen (Ø 10 cm, bis 40 cm Tiefe) und sechs Mörtelproben entstand die analytische Grundlage des Berichts. Geprüft wurde durch zwei akkreditierte Labore: LGA Bautechnik GmbH, Nürnberg für Druckfestigkeit, Frostbeständigkeit und Biegezug, sowie FEAD GmbH, Berlin für die Bindemittel- und Zuschlagsanalyse des Originalmörtels.

Die Befunde lieferten die Grundlage für die zentrale Aussage des Berichts — und für die konkrete Materialempfehlung des Reproduktionsmörtels.

Naturstein · LGA

73,1 N/mm²

Mittlere Druckfestigkeit aus 10 Prüfkörpern. Deutlich über denkmalpflegerischem Mindestmaß. Der Stein ist nicht das Problem.

Mörtel · FEAD

1 : 4,9

Geringhydraulischer Kalkmörtel, Mischungsverhältnis 1:4,9. Bindemittel zum großen Teil verbraucht — Zuschlag dominiert.

Gesamtbefund

Labiles Gleichgewicht

Tragfähiger Stein, entfestigter Mauerkern. Lasten wandern in Bauteile, die für diese Beanspruchung nicht bemessen sind.

Vom Befund zur Maßnahme.

Der vollständige Untersuchungsbericht umfasst Kurzfassung, Objektbeschreibung, Schadensaufnahme, Laborergebnisse, Maßnahmenkatalog mit Prioritätensetzung sowie Anhang mit Fotodokumentation, Laborberichten, Kartierungen und Vertragsunterlagen.

Empfohlen wird eine Gesamtmaßnahme unter einmaliger Gerüststellung: gezieltes Verpressen des Mauerkerns an statisch relevanten Bereichen, vollständige Neuverfugung mit geringhydraulischem Trass-Kalk-Mörtel (TKF 2,5), Ersatz stark geschädigter Werksteine durch regionalen Sandstein.

Konkret benannte Materialien: Tubag TKV-p Trass-Kalk-Verfüllmörtel, Otterbein NHL 2 mit Mauersand 0–2 mm und Trassmehl, Ruberstein Steinrestauriermörtel, V4A-Vernadelung, Keim Restauro für die Lasur. Mit Bezugsquellen, Mischungsverhältnissen und Ausführungshinweisen — fertig für die Ausschreibung.

Konzept am Bauwerk geprüft.

An der Westfassade wurden fünf Musterflächen angelegt, um das Sanierungskonzept vor der eigentlichen Ausführung zu validieren: Reinigungsmuster (Dampfstrahl, Druckabstimmung), Fugenmuster (Werkmischung TKF 2,5 vs. Baustellenmischung NHL 2), Verpressmuster (TKV-p) sowie der Steinersatz an drei ausgewählten Bereichen.

Bei der Baustellenmischung wurde auf Grundlage der FEAD-Befunde eine Anpassung der Mörtelrezeptur von NHL 3,5 auf NHL 2 vorgenommen — abgestimmt mit dem baubegleitenden Ingenieurbüro Frischmuth. Das ist genau die Art von Entscheidung, für die fachliche Begleitung gebraucht wird.

Was der Auftraggeber in der Hand hält.

Ein vollständiger, archivfähiger Bericht mit allen fachlichen und normativen Grundlagen für den Denkmalantrag, die Förderzusage und die Ausschreibung der Sanierungsarbeiten. Lückenlos dokumentierte Vertragskette vom geprüften Angebot über die Auftragsbestätigung bis zu allen Nebenleistungen.

Damit hat die Kirchengemeinde ein Dokument in der Hand, das nicht nur diese Maßnahme begründet, sondern auch in zwanzig oder fünfzig Jahren nachvollziehbar bleibt — als Teil der Bauakte.

Ein Objekt mit ähnlichem Befund?

Wenn Sie ähnliche Aufgaben vor sich haben — ein Bauwerk, das verstanden werden will, ein Konzept, das tragen muss, ein LV, das nicht zum Nachtrag werden soll — sprechen wir am besten direkt darüber.

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