Entwicklung Entwickelt · berechnet
ausgeführt

Lösungen, die es so nicht gab.

Manche Probleme haben keine Standardlösung — weil die Kombination aus Objekt, Bestand und Anforderung zu spezifisch ist. Hier dokumentiere ich Ansätze, die ich entwickelt, berechnet und ausgeführt habe.

Entwicklung 01

Vorgespannte Schlitzankerung für Segmentbögen.

Historische Segmentbögen aus Ziegelmauerwerk stehen unter konstantem Horizontalschub. Bei Umnutzungen — Decken entfernt, Lasten umgelagert, Öffnungen verändert — reicht der Reibungsschluss im Mauerwerk nicht mehr aus. Konventionelle Lösungen erfordern tief eingreifende Stahlkonstruktionen oder sind im Bestand schlicht nicht ausführbar.

Für den Kornspeicher Marberzell habe ich ein System entwickelt, das von einer Seite ausführbar ist und trotzdem beidseitig verankert: ein horizontaler Schlitz (115 cm) mit vertikalen Taschen an beiden Enden nimmt einen V4A-Gewindestab M16 auf. Nach Aushärtung des Tubag-Ankermörtels wird der Stab mit mindestens 94 Nm vorgespannt — rund 29 kN Vorspannkraft.

Die Vorspannung eliminiert Setzwege, aktiviert den Vollverbund und erhöht die Tragfähigkeit deutlich gegenüber reiner Einmörtelung. Das System ist rechnerisch nachgewiesen und wurde 2025 ausgeführt.

Kennwerte
ObjektKornspeicher Fulda-Marberzell · Ausführung 2025
AnkerV4A-Gewindestab M16, Schlitz 115 cm
MörtelTubag NM IIIa
Vorspannung≥ 94 Nm (≈ 29 kN)
NachweisRechnerisch nachgewiesen
Gewindestab über Segmentbogen
Eingebauter Anker im horizontalen Schlitz

Kornspeicher Fulda-Marberzell · Ausführung 2025

Entwicklung 02
Patentanmeldung · April 2026 · 12 Ansprüche

Mineralisches Stopfverfahren — Bodenertüchtigung ohne Fundamenteingriff.

Die Sinnbrücke in Altengronau ist ein historisches Sandsteinbauwerk mit vier Bögen, gegründet auf organischem Boden. Für die Sanierung ist eine Maßnahme mit über 3 Millionen Euro geplant — Betonpfahlgründung, Verpressung, Rückbau. Dagegen bestehen fachliche Bedenken: nicht weil die Gründung teuer ist, sondern weil sie das Tragverhalten des Bogenbauwerks zerstört.

Ein Bogenbauwerk funktioniert über gleichmäßige Verformung und Druckverteilung. Steife Betonpfähle erzeugen Steifigkeitssprünge — Differenzsetzungen und Zwangsspannungen, gefährlicher als die ursprüngliche gleichmäßige Setzung. Die eigentliche Schadensursache an den Südpfeilern — Treibgutaufprall bei Hochwasser — behebt eine Gründungssanierung ohnehin nicht.

Das mineralische Stopfverfahren geht anders vor: Nicht das Fundament wird verstärkt, sondern der Boden daneben und darunter zonenspezifisch ertüchtigt — ohne Chemie, ohne Steifigkeitssprung, ohne irreversiblen Eingriff in die historische Substanz.

Vorteile gegenüber konventionellen Verfahren
  • Kein Eingriff in das bestehende Fundament
  • Kein Steifigkeitssprung — Tragverhalten des Bogens bleibt erhalten
  • Reversibel in Zone 2 — Material entfernbar
  • Ausschließlich mineralische Stoffe — keine Chemie, kein Zement
  • Kein Vibrationseintrag ins Mauerwerk
  • Rechnerisch nachweisbare Zieltragfähigkeit
Nachgewiesene Lastfälle
LastfallBeschreibungNachweis
LF 1Eigengewicht + ständige Lasten✓ Rechnerisch erfüllt
LF 2+ Verkehr (Pkw, leichte Nfz, L 2304)✓ Rechnerisch erfüllt
LF 3Hochwasser, Treibgut, Lkw⚠ Gesondert nachzuweisen

Alle Werte basieren auf Voruntersuchung und Probeberechnung. Verifikation durch Bodengutachten und unabhängigen Tragwerksplaner vorgesehen.

Sinnbrücke Altengronau, Drohnenbefliegung
Sinnbrücke Altengronau · Okt 2024
Patentanmeldung, Deckblatt
Patentanmeldung
Freiliegendes Fundament, Schadensnachweis
Schadensbild Fundament
Status
ObjektSinnbrücke Altengronau
Prioritätsdatum07. Oktober 2024
SchutzformPatentanmeldung (Verfahren)
Ansprüche12
Nächste SchritteBodengutachten, Laborversuche, wissenschaftliche Begleitung
Entwicklung 03

Verteiltes Ankersystem für hochgotische Maßwerktürme.

Hochgotische Maßwerktürme haben extrem dünne Wandquerschnitte und ein fragiles System aus Profilstäben und Füllungen. Konventionelle Anker setzen punktuelle Kräfte an — in historischem Maßwerk führt das zu Brüchen an den Knotenpunkten und irreversiblen Schäden.

Das entwickelte System löst das durch maximale Lastverteilung: eine oktagonale Grundplatte überträgt die Ankerkraft über einen M20-Gewindestab auf 64 einzelne Ankerplatten, die die Last gleichmäßig in die umgebende Steinstruktur einleiten. Kein Punkt im Mauerwerk wird überbeansprucht.

Die Verbindungselemente sind über Kupplungsmuttern stufenlos längenanpassbar — ein System für verschiedene Wandstärken ohne Neukonstruktion. Entwickelt für die Aussteifung eines hochgotischen Maßwerkturms in Wiesbaden.

Systemkomponenten
BauteilAnzahlMaßeFunktion
Grundplatte (oktagonal)4 St.24,19 × 24,19 cmAußenliegende Lastverteilung
Ankerplatten64 St.7,5 × 7,5 cmVerteilte Krafteinleitung
Verbindung + Gewindestab32 St.M20, variabelDurchgehende Verbindung
Vorteile
  • Keine Punktlast auf fragiles Maßwerk
  • Maximale Lastverteilung über 64 Einzelplatten
  • Stufenlos längenanpassbar — ein System für verschiedene Wandstärken
  • Vollständig rückbaubar ohne Substanzschaden
  • Korrosionsbeständiges Material (V4A)
Ankersystem Maßwerkturm, Einzelteile
Ankersystem Maßwerkturm, montiert

3D-Modell · Maßwerkturm Wiesbaden

Kontakt

Bestand einschätzen lassen.

Bei einer Erstbegehung bewerte ich Schadensbild, Substanz und Risiken direkt vor Ort — eine erste fachliche Einschätzung zum weiteren Vorgehen, verständlich und ohne Verpflichtung.