Denkmalgeschützte Fachwerkscheune Sontra.
Bauliche Zustandsbeurteilung einer historischen Fachwerkscheune — Drohnenbefliegung, 3D-Modell, Schadenskartierung in vier Ansichten. Ergebnis: klare, belegbare Einschätzung. Keine Beschönigung.
Erhaltungsfähig — oder nicht?
Eine denkmalgeschützte Fachwerkscheune in Sontra-Berneburg, Berneburger Straße 11, gibt seit Jahren Anlass zur Sorge. Provisorische Notabdeckungen aus Wellblech, sichtbare Verformungen im gesamten Baukörper, fehlende Gefachfüllungen — der äußere Befund war eindeutig. Die Frage des Eigentümers lautete: Ist eine Sanierung noch möglich?
Beauftragt wurde eine bauliche Zustandsbeurteilung mit dem expliziten Ziel, die Erhaltungsfähigkeit des Gebäudes objektiv festzustellen. Keine Sanierungsplanung, keine Maßnahmenempfehlung — nur die sachliche Einordnung des Ist-Zustands.
Drohne, 3D-Modell, Vor-Ort-Befundung.
Die Untersuchung kombiniert digitale Erfassungsmethoden mit handwerklicher Inaugenscheinnahme. Nicht zugängliche oder verdeckte Bauteile wurden als solche dokumentiert — eine methodisch notwendige Abgrenzung, die spätere Fehleinschätzungen verhindert.
Drohnenbefliegung
Vollständige Außenerfassung aller Fassaden, auch nicht zugängliche Dachbereiche
3D-Modellierung & Orthofoto
Photogrammetrische Verarbeitung zu maßstabsgerechten Planunterlagen als Kartierungsgrundlage
Systematische Schadenskartierung
Vier Ansichten, neun Kategorien, farbcodiert in DIN A3-Planformat — Holzkonstruktion, Natursteinmauerwerk, Gefache
Fachliche Abstimmung
Berücksichtigung der Stellungnahme eines Restaurators im Zimmererhandwerk und eines Holzbauunternehmens (Holzbau Gunkel, 2024)
Drei Baukonstruktionen. Alle kritisch.
Das Schadensbild des dreigeschossigen Gebäudes ist umfassend. Es betrifft nicht einzelne Bereiche, sondern alle drei Konstruktionsebenen gleichzeitig — und die Schäden verstärken sich gegenseitig.
Durchfeuchtung / Fäulnis
Flächige Fäulnisprozesse an Sparren, Pfetten, Schwellbalken — jahrelange unkontrollierte Bewitterung
Insektenbefall
Massiver Befall durch Gemeinen Nagekäfer (Anobium punctatum) an Schwellbalken und Fachwerkständern
Verformung / Abstellung
Deutliche Schiefstellungen und Durchbiegungen — überschreiten materialtypische Toleranzwerte
Sockelmauerwerk
Dauerfeuchte, vollständiger Fugenverlust, Setzungen — Tragfähigkeit erheblich eingeschränkt
Ausfachungen
Lehmgefache großflächig zerstört, spätere Ziegel-/Bimssteinausfachungen ohne Verbundwirkung
Sockel / Holzschwelle
Feuchteübertragung direkt in tragende Holzkonstruktion — keine wirksame Horizontalabdichtung mehr
Ansicht Nord-Ost
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Ansicht Nord-West
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Ansicht Süd-Ost
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Ansicht Süd-West
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Klare Schlussfolgerung. Keine Kompromisse.
Die Untersuchung zeigt: Die ursprüngliche Tragstruktur ist in wesentlichen Teilen nicht mehr funktionsfähig. Eine sichere Lastabtragung ist nicht mehr gewährleistet. Die Standsicherheit des Gebäudes ist nicht gegeben.
Eine Sanierung würde den nahezu vollständigen Austausch der Holzkonstruktion erfordern und wäre damit keine Sanierung im baulichen oder denkmalfachlichen Sinne mehr. Die verbleibende Originalsubstanz hätte lediglich dokumentarischen Charakter. Der denkmalpflegerische Grundsatz „Erhaltung vor Erneuerung" kann nicht mehr angewendet werden.
Aus fachlicher Sicht ist ausschließlich der Abbruch des bestehenden Bauwerks als verbleibende Option festzustellen.
Diese Feststellung stellt keine planerische Empfehlung dar, sondern ergibt sich aus der objektiven Bewertung des baulichen und statischen Ist-Zustands. Die abschließende rechtliche und fachliche Entscheidung obliegt den zuständigen Behörden.
Das ist keine angenehme Botschaft. Aber es ist die richtige. Ein Auftraggeber, der weiß woran er ist, kann handeln — gegenüber der Denkmalbehörde, gegenüber der Versicherung, gegenüber dem Gericht. Wer das nicht weiß, zahlt für Maßnahmen, die das Gebäude nicht retten können.
Ähnliche Situation?
Erst verstehen, dann entscheiden.
Denkmalgeschütztes Objekt mit unklarem Schadensbild — das Erstgespräch am Bauwerk kostet nichts und schafft Klarheit, bevor Geld in Maßnahmen fließt, die nicht tragen.